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Colorierte Münzen – Bitte nicht sammeln

Colorierte 2 Euro Münzen

Offizielle Ausgabe: Colorierte 2 Euro Münze Königreich Niederlande

Vorweg: Jeder soll die Münzen sammeln, die ihm gefallen. Es macht wenig Sinn in sammelnswerte und nicht-sammelnswerte Münzen zu unterscheiden. Ich selber habe z.B. einige Niobmünzen in meiner Sammlung, die weder zu den klassischsten Münzausgaben zählen noch überall auf unbegrenzte Begeisterung stoßen. Die Prägestätten experimentieren in den vergangenen Jahren allgemein mit zahlreichen Innovationen: Fotorealistische Motive, High Relief, Antique Finish, Titan, Edelstahl, Hologramme sind nur einige Stichworte, die mir in diesem Zusammenhang einfallen. Nicht alles davon trifft meinen persönlichen Geschmack, aber all das ist harmlos gegen einen anderen Trend: Colorierte Münzen!

Es hat erst schleichend begonnen. Belgien ist mir z.B. in Erinnerung, deren Prägestätte schon vor einigen Jahren einzelne colorierte Gedenkmünzen herausgegeben hat. Nun gut, das sind offizielle Ausgaben. Selbst über die ersten nachträglich colorierten 2 Euro Gedenkmünzen aus „privater Produktion“ konnte man anfangs belustigt den Kopf schütteln. Ich ging von einem kurzfristigen Phänomen aus, welches aufgrund von mangelnder Nachfrage schnell wieder vom Markt verschwinden wird. Weit gefehlt!

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass bei vielen (größeren) Münzhändler die „angemalten“ Münzen schon zum Standardprogramm gehören. Erst gestern hatte ich ein Werbeprospekt eines größeren Münzhandelshauses aus Hamburg in der Post. Gleich auf 2 vollen Seiten werden dort unzählige „Sondereditionen in Farbe“ von 2 Euro Gedenkmünzen angeboten. Dabei werden nicht nur Münzen mit Millionenauflagen farbig gestaltet, selbst vor seltenen und wertvollen Münzen aus dem Vatikan macht die Colorierung nicht Halt. Dabei wird mit Farbe keineswegs gespart: Bei der ein oder anderen Münze muss man schon zweimal hinschauen, um die Originalausgabe – unter der dicken Farbschicht – noch zu erkennen.

Nun haben diese Art von nachträglich „verschönerten“ Münzen schon rein optisch für mich nur noch wenig mit „seriösen“ Münzausgaben zu tun. Aber dieser Eindruck ist auch kein rein subjektiver! Die VfS schreibt zu colorierten Münzen gleich zweimal ganz klar:

Kann ich vergoldete oder colorierte Euro-Münzen ganz normal im Zahlungsverkehr verwenden?

Nach § 3 Absatz 3 Münzgesetz ist niemand verpflichtet, Euro-Münzen und deutsche Euro-Gedenkmünzen anzunehmen oder umzutauschen, die durchlöchert, verfälscht oder anders als durch den gewöhnlichen Umlauf verändert sind. Der Eigentümer einer entsprechend Ihrer Frage veränderten Euro-Münze trägt also das Risiko, dass diese faktisch wertlos wird (abgesehen von einem etwaigen Sammler- bzw. Materialwert). Insbesondere wird im gewerblichen Zahlungsverkehr niemand bereit sein, diese Münzen als Zahlungsmittel entgegenzunehmen. Für alle Sammlermünzen gilt eine Empfehlung der Kommission vom 22. März 2010, dass sie nicht in den Zahlungsverkehr gebracht werden sollen.

Kann ich vergoldete oder colorierte Euro-Münzen bei der Deutschen Bundesbank umtauschen?

Nein. Auf der Grundlage von Artikel 8 der Verordnung (EU) Nr. 1210/2010 sowie § 3 des deutschen Münzgesetzes hat die Deutsche Bundesbank die Erstattung von nicht für den Umlauf geeigneten Euro-Münzen, die mutwillig verändert wurden, abzulehnen. Werden derart veränderte Münzen bei der Bundesbank eingereicht, werden diese – auch um eine missbräuchliche Verwendung im Zahlungsverkehr zu verhindern – ersatzlos eingezogen und der Vernichtung zugeführt.

(Quelle: Prägefrisch 2/2012 – Hervorhebungen durch uns)

Fazit: Die colorierten Münzen verlieren praktisch ihren Status als offizielles Zahlungsmittel. Natürlich kann man trotzdem niemanden verbieten diese Ausgaben zu sammeln. ABER: Abgesehen von einigen wenigen offiziellen colorierten Ausgaben – wie sie z.B. die Niederlande oder Frankreich aktuell bei einer 2 Euro Gedenkmünze verausgabt haben – ist das ein völlig unkontrollierter und unüberschaubarer Markt! Selbst wenn jetzt für die ein oder andere Ausgabe noch ein Aufschlag (z.B. bei eBay) gezahlt wird: Wie sieht es in ein paar Jahren aus, wenn die Ausgaben in Vergessenheit geraten sind und nicht mehr in der aktuellen Werbung der Münzhandelshäuser auftauchen? Im schlimmsten Fall gibt es nicht einmal mehr den Nominalwert, sondern es geht runter bis zum Materialwert!

Dessen sollten sich Sammler colorierter Münzen (aus privater Produktion) bewusst sein!

Autor: Karsten

Ich bin Karsten, 21, und habe früher auf Muenzblog.de schon ganz ähnliche Sachen geschrieben. Bei mir in der Sammlung sind hauptsächlich 2 Euro Sondermünzen, Gedenkmünzen aus Deutschland und Luxemburg, sowie Silbermünzen australischer Herkunft zu finden.

13 Kommentare

  1. Ludwig Redling

    31/10/2014 @ 17:57

    Zu den von den Münzstätten offiziellen colorierten 2 Euro Ausgaben

    Was keinem bewußt ist: Auch diese 2 Euro Münzen haben den Status eines offiziellen Zahlungsmittels verloren. Wenn man in den Amtlichen Bekanntmachiungen der Europäischen Union genau liest, werdem collorierte Münzen nicht erwähnt (jüngstes Beispiel Frankreichs AIDS-Münze!!!!).

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    • Das stimmt nicht. Im EU-Amtsblatt heiß es zu der Münze:

      „Eine dieser Schleifen ist in der klassischen Richtung abgebildet und in der Stempelglanz- sowie der Spiegelglanz-Prägung rot koloriert.“

      Quelle: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1434480210222&uri=CELEX:C2014/185/04

      Genau deshalb habe ich mir auch diese Variante extra besorgt und in die Sammlung gelegt. Interessant dabei vor allem, daß die beiden Varianten unterschiedliche Prägestempel haben. Während die normale Variante die Aids-Schleife senkrecht schraffiert ist (wohl als heraldische Farbgebung für rot), weist die gefärbte Variante eine glatte Oberfläche auf, wenn man die Farbe entfernt. Auch das ist Grund, sie in die Sammlung zu nehmen. Aus meiner Sicht schlau gemacht und mehr als nur färben. Das gleiche erwarte ich übrigens bei der Ausgabe „Fòderationsfest“. Auch hier zeigt das Münzbild bei der Kokarde die heraldische Schraffur für die französischen Nationalfarben und wird bei der gefärbten Variante wohl mit glatter Oberfläche geprägt sein.

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  2. @Ludwig

    Ja, das ist ein wichtiger Nachtrag.
    Persönlich gefallen mir die offiziell colorierten Münzausgaben genauso wenig wie die privaten Machwerke. Aber es sind zumindest offizielle Ausgaben und damit haben sie irgendwo auch ihre Berechtigung und ihren Markt. Die ganzen Händler-Ausgaben stehen auf einer Stufe mit Medaillen…

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  3. Eigentlich sollte die offizielle Währung auch nicht gesammelt werden. Der intrinsische Wert dieser Münzen ist auch nur der Materialwert. Nach einem Crash könnte man damit auch nichts anfangen. Staatliche Währungen sind noch nie Standhaft gewesen und werden es auch nicht bleiben. Früher war es nur gut, dass einige Währungen einen intrinsischen Wert hatten.

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  4. Echt gut zu wissen, hätte nicht gedacht das ein bisschen Farbe auf den Münzen den Nennwert zerstört…aber anscheinend gibt es für sowas einen Markt.

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  5. Deinem Beitrag und Euren beiden Anmerkungen kann ich nur voll zustimmen. Meine persönliche Entscheidung ist seit einiger Zeit, dass ich diese Werbung aus Hamburg sofort wegwerfe und bei Online-Händlern, deren Seiten von diesen Machwerken geradezu überquellen, nichts kaufe. Offiziell colorierte Münzen umgehe ich, indem ich die aus der Rolle kaufe. Ging ja bisher.
    Wünsche Euch noch einen schönen Sonntag

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  6. Helmut Peter Fiedler

    20/03/2015 @ 09:49

    Es gibt schon so viele Münzen auf der Welt, die nur noch wegen dem Profit hergestellt werden. Der größte Teil ist doch nur eine Medaille mit Wertaufdruck. Richtige Münzen sind nur ganz wenige. Da ist das kolorieren versilbern und vergolden oder mit Bildchen versehen nur eine weitere Variante für die vielen, welche keine echten Münzsammler sind und somit willkommene Käufer sind.

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  7. Michael Grau

    26/11/2015 @ 21:37

    Ich finde das sog. Colorieren (also das Beschmieren von Münzen mit Farbe)
    ziemlich pervers. Da wird eine Münze reduziert zu einem Stück Metall, also
    fast wertlos. Ich möchte ‚mal wissen, wer das sammelt, wer sich von den
    rachgierigen Münzhändlern veräppeln lässt.

    Aber es gibt eine positive Nachricht: Die französische Münzstätte, die
    „Monnaie de Paris“, geht strafrechtlich gegen jeden vor, der solch‘ colorierten
    Münzen herstellt oder vertreibt.

    Ich habe bei der Europäischen Zentralbank nachgefragt: Man denkt darüber
    nach, ob und wie man das Colorieren von Münzen verbieten kann. Aber bis
    Entscheidungungen (=Gesetze) getroffen werden, kann es noch lange, sehr,
    sehr lange dauern.

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    • Die Mehrzahl der privaten 2 Euro-Farbmünzen sind Müll und das Motiv bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Ganz anders die offiziellen Ausgaben der Monaise de Paris, hier wird Farbe zurückhalten und das Motiv unterstützend eingesetzt. Ich denke es entwickelt sich ein neues Teilsammelgebiet, zumal die Auflagen mit 10.000 Stück recht wenig sind. Außerdem sind die Stempel unterschiedlich. Allgemein ist gegen gutgemachte Farbmünzen nichts zu sagen. Kanada bringt schon seit Jahren Farbe auf Umlaufmünzen, habe selber welche im Reisegeld gefunden. Auch die baltischen Staaten haben wunderschöne colorierte Gedenkmünzen. Deutschland zeigt ja mit der neuen 5 Euro-Münze auch eine Entwicklung.

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      • Ganz meine Meinung !
        Warum muss immer alles steif, amtlich und seriös sein ?
        Warum gibt es denn seit langer Zeit Münzen in der Prägeart polierte Platte ?

        Bei den privaten Farbmünzen handelt es sich um nichts anderes als kleine Kunstwerke. Geschmack ist kein Streitgegenstand.
        So auch bei den vergoldeten oder teilvergoldeten Münzen.

        Bei den offiziell erstellten Collorationen wurde sich meist zurückgehalten und zum Teil sogar andere Stempel benutzt.
        Diese wurden in das Amtsblatt aufgenommen und verlieren
        dadurch nicht ihre Seriösität.

        Man kann unterscheiden:
        normale Münzen in Stempelglanz/bankfrisch
        und
        edle Münzen in polierte Platte
        und
        offiziell collorierte Münzen mit/ohne anderer Prägung
        und
        veränderte Münzen als Kunstobjekt oder Gebrauchsgegenstand, wie Ziffernblatt, Knopf oder Schmuck.

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  8. Gehört diese Münzen auch zu den nachträglich koloriert?
    25 Jahre Deutsche Einheit
    Teilkoloriert Münzen Berlin

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